Katholische Kirche Rösrath

St. Servatius Volberg zu Hoffnungsthal - Geschichte

Einleitung

Am 19. September 1954 wurde – unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – vom damaligen Dechant Hugo Berger feierlich die Grundsteinlegung für das neue katholische Gotteshaus in Hoffnungsthal vollzogen. In der bereits ab Juli 1954 ausgehobenen Baugrube am Poltesgarten wurde dabei in einem bereits hochgemauerten Wandstück der künftigen Chorwand jener schlichte Grundstein eingefügt, den die Gläubigen beim Kirchenbesuch oben links im Altarraum erkennen können. Er trägt nur eine ganz schlichte Datierung, nämlich: "A[nno] D[omini] 1954".

Wie kam es zum Bau eines neuen Gotteshauses für Katholiken? Und: wie lange hatten sich ggf. die Überlegungen und Planungen hierfür hingezogen?

 

Historischer Rückblick

Es bleibt nicht aus, sich kurz zu erinnern, dass und wie sich die beiden großen Ortsteile Hoffnungsthal und Rösrath konfessionell ganz unterschiedlich entwickelten – und es über gut vier Jahrhunderte blieben.

Bis zur Reformation – so die Binsenwahrheit – waren die Bewohner des größten Gemeindeteils Volberg (die Bezeichnung Hoffnungsthal wurde erst 1898 amtlich und bezog sich anfangs nur auf den Siedlungsbereich östlich der Sülz) sowie der dörflichen Siedlungen im sehr alten Forsbach und im relativ jungen Rösrath sämtlich Katholiken, das Gotteshaus in Volberg (Apsis gesichert 12. Jahrhundert) ihre katholische Pfarrkirche. Das änderte sich Mitte des 16. Jahrhunderts, als der damalige Pfarrer Wilhelm von Katterbach sich offenbar der neuen Lehre des Protestantismus zuwandte ("greifbar" anhand seiner Eheschließung) und dabei die Gemeinde wohl im ganzen zum lutherischen Glauben "mitnahm"; Einzelheiten sind nicht überliefert. In der Folgezeit beharrte die nunmehr evangelische Gemeinde Volberg dabei, ja, wurde im Südbergischen geradezu eine herausragende Stätte des Protestantismus. Es waren (auch hier fehlen verläßliche Zeugnisse) nur wenige Gläubige, die beim alten Glauben blieben, darunter etwa auch die niederadeligen Familien von Haus Stade (von Loë), von Haus Venauen (von Belven) und Haus Eulenbroich (Staël von Holstein), auf deren Betreiben 1672 ein Kloster der Augustiner-Eremiten in Rösrath errichtet wurde – einzig zum Zwecke einer aber nur mäßig erfolgreichen sog. Gegenreformation. Zwischen 1701 und 1708 wurde auf Volberger Gebiet, jedoch direkt an der Grenze zum Pfarrsprengel Altenrath und offenbar über der alten Vitus-Kapelle, die zugehörige Klosterkirche errichtet, die heutige Rösrather Pfarrkirche St. Nikolaus von Tolentino.

Obwohl die beiden Ortsteile auch weiterhin bis heute eine gemeinsame politisch-administrative Einheit bildeten, blieb die konfessionelle Trennung bis zur Mitte des vorigen, 20. Jahrhunderts weitgehend voll gewahrt. So gab es ausweislich des Personenstandsregisters im 19. Jahrhundert, soweit ich sehe, keine gemischt-konfessionelle Erst-Ehe. Nur einige Katholiken wohnten in "protestantischen" Ortsteilen oder Protestanten in "katholischen" Bereichen; Ausnahmen sind, bei entsprechend starker Fluktuation, in Ortsteilen wie Lüghausen und vor allem Forsbach auszumachen.

Eine merkliche Änderung trat erst ein durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges, als immer mehr Familien als Opfer massiver Bombardierungen und andere Evakuierte Zuflucht auf dem Land suchten – die schnelle Unterbringung dieser Menschen konnte nicht nach Konfessionen fragen, erst recht nicht, als nach Kriegsende Flüchtlinge und Vertriebene in großer Zahl auch nach Rösrath kamen.

Hier setzte dann eine Seelsorge in Notunterkünften ein. Die Betreuung der Katholiken unter den zahlreichen, oftmals ansässig werdenden Neubürgern wurde natürlich von der Pfarrei Rösrath aus betrieben. Als der Ruf nach intensiverer Seelsorge immer nachrücklicher wurde, erhielt Rösrath mit Kaplan Johannes Backhaus eigens einen für Hoffnungsthal und Forsbach abgestellten Seelsorger, der dann – seinen Gläubigen etwas ortsnäher – in Venauen Wohnung nahm.

Hierzu berichtet die Chronik der Rösrather Pfarre (zum Jahr "1947") u.a. folgendes:

In Forsbach wird [...] die Schulmesse einmal wöchentlich im Lokal Forsbacher Hof, Besitzerin Frl. Naaf, in Hoffnungsthal im Wohnzimmer der Familie Köhnen, Hammer, dort von Kaplan Weimer, hier von Kaplan Schwartz gehalten. [...] Die gewaltig gestiegene Zahl der Katholiken in Forsbach und Hoffnungsthal machte die Anstellung eines 3. Kaplans nötig, der kam auch in der Person des Kaplans Hans Backhaus, geweiht i.J. 1939[,] bisher in Neustadt a.d. Wied, Diözese Trier, tätig, im Juni 1946 ernannt wurde. Er wird Kaplan in Rösrath mit der zusätzlichen Aufgabe – wie Kaplan Weimer in Kleineichen – nun in Forsbach und Hoffnunsgthal den Gottesdienst einzurichten und Seelsorge auszuüben. Der Sonntagsgottesdienst wird in beiden Orten eingerichtet[,] und zwar in Forsbach, wie bisher im Forsbacher Hof, in Hoffnungsthal im Lokal Eduard Kaltenberg. Mit Hilfe des Militärpfarrers der belgischen Truppen, die an Stelle der Engländer jetzt Besatzungsmacht sind, gelingt es[,] eine Baracke zu gewinnen und auf dem Schulplatz von Hoffnungsthal aufzustellen, die wohl bald als Kapellenraum eingerichtet werden kann.

 

Erste Überlegungen

Seit dieser Zeit gab es immer wieder Überlegungen zur Gründung einer eigenen Pfarrei und einer eigenen Kirche. Dann, zum 29. Januar 1950, findet sich in der "Chronik der Katholischen Volksschule Hoffnungsthal" folgender Eintrag vom Schulleiter Peter Wasmuth:

Heute verkündet Herr Kaplan Backhaus in der hl. Messe, daß nach einem Beschluß der Kölner Diözesan-Verwaltung Hoffnungsthal eine selbständige Pfarre mit Filiale Forsbach werden soll. Auch sei bereits der Grundstückskauf für eine neue Kirche gesichert. Damit scheint auch dieses brennende Problem der Lösung etwas näher zu kommen.

Dazu passt ein Eintrag im Protokollbuch des Kirchenvorstands (KV) von Röserath vom 9. April 1951 (Protokoll Nr. 7):

[...] 1.) Kauf eines Grundstückes in Hoffnungsthal.

Am 29.3.1951 wurde von der evangel. Kirchengemeinde Volberg ein ca. 2200 qm großes Kirchenaeugelände zum Preise von etwa 4500 DM gekauft [also für 2,-- DM pro qm], 4000 DM wurden sofort ausgezahlt, die vom Generalvikariat überwiesen wurden.

2.) Herr Pfarrer Schmitz und Herr Scharrenbroch wurden ermächtigt, die Beurkundungen betr. dieses Grundstückskaufes zu tätigen.

Pfarrer Jakob Schmitz, der seit dem Frühjahr 1950 die Nachfolge von Pfarrer Krahforst angetreten hatte, nahm sich des Projektes an, wenn auch offenbar Kaplan Johannes Backhaus der eifrige Betreiber des Hoffnungsthaler Kirchbauprojektes war.

Die Dinge gerieten nun in Bewegung. Schon 1951 gründete sich unter den Katholiken Hoffnungsthals ein sog. Kirchbauverein, von dem wir eine Satzung vom 3.10.1951 kennen (PAH 1405/2: Satzung des Kirchenbauvereins Hoffnungsthal in der Pfarrgemeinde Rösrath), die unter der Journal-Nr. R 3591/52 vom Erzbischöfl. Generalvikariat genehmigt wurde. Wohl aufgrund einer neuen Gemeinnützigkeitsverordnung vom 24.12.1953 wurde unter dem 16.10.1955 dem Generalvikariat eine geringfügig modifizierte Satzung vorgelegt, von dort genehmigt am 29.10.1955 (Jr. Nr. 9042/55). Bereits die alte Fassung von 1951 nannte als vordingliches Ziel des Vereins die Beschaffung der Mittel zum Bau, zur Unterhaltung und zur Ausschmückung einer Kirche für den öffentlichen Gottesdienst im Ort und etwaiger sonstiger für die Seelsorge erforderlichen Einrichtungen. Die Mitgliedschaft stand jedem Ortsbewohner von Hoffnungsthal offen, der jährliche Vereinbeitrag sollte vom Vorstand festgesetzt und [...] nach der sozialen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Mitglieder abgestuft werden können. Der Mindestbeitrag pro Jahr betrug 3,-- DM, bei einer Eintrittszahlung von einmalig 2,-- DM. Der ehrenamtlich tätige Vorstand von 11 Mitgliedern bestand aus dem jweiligen Pfarrer von Rösrath als 1. Vorsitzendem , dem für Hoffnungsthal bestimmten Geistlichen als Stellvertreter, aus Kassenwart, Schriftführer und 7 weiteren Mitgliedern; die 10 letzteren sollten von der Mitgliederversammlung zu wählen sein – tatsächlich war dieses aber nur neun (dieser "Fehler" blieb auch 1955 so bestehen, korrigierte sich im April 1956 dann durch die Errichtung der selbständigen Pfarrei St. Servatius, womit der Rösrather Ortspfarrer als Vorsitzender entfiel).

Von der Tätigkeit des Kirchbauvereins haben sich, nach derzeitiger Kenntnis und Recherchen in den Pfarrachiven Hoffnungsthal und Rösrath, keine aktenmäßigen Unterlagen erhalten – immerhin aber wurde das Ziel voll erreicht – das bezeugt das stolze Pfarrzentrum St. Servatius mit Kirche, Pfarrhaus und Jugendheim sowie das später hinzugekommene Nebenhaus (ab 1963 Planungen von Wohnungen für Organist und Pfarrhelferin, sowie die Pfarrbücherei) und schließendlich der katholische Kindergarten (Pläne dazu ab Frühjahr 1966; Mitte 1974 Bauvorhaben "in vollem Gange"; 1975 endgültiger Auftrag, 1976 Rohbauabnahme; April 1977 Schlußabnahme).

 

Fortgang

Nachdem erste Vorplanungen mit Bauskizzen und Finanzierungsplänen vorlagen, kam das Projekt "Kirchenneubau Hoffnungsthal" nun zunehmend in Schwung.

Der Fortgang sei hier skizzenhaft wiedergegeben:

[...] 1.) Architektenbeauftragung bezügl. Hoffnungsthal. Lt. Schreiben des Erzb. Generalvikariats Jr. Nr. A 3161/52 vom 26.XI.52 ist die Genehmigung für die vorbereitende Gesamtplanung zum Bau der Kirche nebst Pfarrhaus und Jugendheim erteilt worden. Beschluß einstimmig, daß der Architekt Rotterdam die Gesamtplanung lt. angefertigten Skizzen ausarbeiten soll. Vor Auftragserteilung soll aber der Bauverein Hoffnungsthal gehört werden. [...] (Auszug aus dem Protokollbuch des KV Rösrath vom 14.12.1952, Nr. 25)

Im Januar 1953 konnte der mit diesen Vorplanungen beauftragte Architekt Bernhard Rotterdam aus Bensberg Herrn Pfarr Schmitz mitteilen, daß der zuständige Kreisbaurat Sträßer gegen die Asusführung in der geplanten Art keine Bedenken habe (PAH Akte 2201/0, 26.1.1953).

[...] Zu 1.) [Kirchbau Hoffnungsthal Auftragserteilung] Pfarrer Schmitz begrüßte außer dem Kirchenvorstand die Herren des Vorstandes des Hoffnungsthaler Kirchbauvereins. Lt. Schreiben des Erzbischöfl. Generalvikariats (Jr. Nr. A 3161/52 vom 1.II.54) wurden für den Kirchneubau Hoffnungsthal ein Zuschuß von 210.000.- DM zur Verfügung gestellt.

Beschluß: Mit Einvernehmen des Kirchenbauvereins beschließt der Kirchenvorstand einstimmig, den Architekten Rotterdam mit dem Ausarbeiten der Pläne zu beauftragen und ihm die Bauoberleitung zu übertragen.

Zwecks Baues der Hoffnungsthaler Kirche wird ein Bauausschuß gebildet. Beschluß einstimmig: Der Bauausschuß soll aus dem Vorstand des Bauvereins und den Kirchenvorstandsmitgliedern Lebek und Kreuzberg bestehen. [...]

(Auszug aus dem Protokollbuch des KV Rösrath vom 19.2.1954, Nr. 31)

Daraufhin konnte Pfarrer Schmitz seinerseits dem Architekten den vorstehenden KV-Beschluß mitteilen, Sie mit dem Ausarbeiten der Pläne für die zu erbauende Kirche in Hoffnungsthal zu beauftragen und Ihnen die Bau-Oberleitung zu übertragen. (PAH Akte 2201/0, 26.2.1954).

[...] Zu 4. [Verschiedenes] f) Beschluß einstimmig, die Ausschreibung für die Bauarbeiten beim Kirchenbau Hoffnungsthal öffentlich vorzunehmen. [...] (Auszug aus dem Protokollbuch des KV Rösrath vom 21.5.1954, Nr. 32)

[...] Zu 1. [Vergebung Kirche Hoffnungsthal] a) Der Kirchenvorstand beschließt mit 6 Ja-stimmen bei 4 Gegenstimmen [...], die Erd-, Maurer-, Beton- und Stahlbetonarbeiten zum Neubau der Kath. Kirche in Hoffnungsthal der Fa. Lindenberg in Hoffnungsthal zum geprüften Angebot von 86.084,93 DM zu vergeben.

b) Beschluß einstimmig, dem Architekten Rotterdam die Bauführung ebenfalls zu übertragen. [...] Auszug aus dem Protokollbuch des KV Rösrath vom 26.6.1954, Nr. 33)

Erst im September 1954 – also nach Beginn der Arbeiten im Juli und drei Tage nach der feierlichen Grundsteinlegung – kam vom Generalvikariat die offizielle Genehmigung zu dem KV-Beschluss und zum Neubau der Kirche: Die Baugenehmigung vom heutigen Tage bezieht sich aber nur auf die Projekte Kirche und Pfarrhaus, deren Gesamtkosten (einschließlich der Bodengründungskosten) auf 275.301,34 DM veranschlagt sind. Zur Finanzierung beider Projekte seien insgesamt 291.000,-- DM bewilligt; der überstehende Betrag solle beim späteren Bau des Jugendheimes und der Außenanlagen verwendet werden (PAH Akte 2201/1, Schreiben vom 22.9.1954 an KV Rösrath). Allerdings war der Kostenansatz zu diesem Zeitpunkt bereits um rd. 22.000 DM überschritten (PAH Akte 22201/1, Nachtragskostenanschlag des Architekten Rotterdam vom 30.8.1954).

Hierzu wieder ein Eintrag im nüchtern protokollierenden Beschlußbuch des Rösrather Kirchenvorstandes:

[...] Zu 2: [Verschiedenes] Kirchenvorstand nimmt Kenntnis von der Genehmigung des Erzbistums Köln vom 22.9.[19]54, Jr. Nr. A 3161/52, betreffend Neubau einer Kirche in Hoffnungsthal. [...] (Auszug aus dem Protokollbuch des KV Rösrath vom 26.9.1954, Nr. 35)

Schon Mitte Juli hatten man mit dem Aushub und den Gründungsarbeiten begonnen. Darüber berichtete am 23.7.1954 die örtliche Presse. Hierbei wird auch die Konzeption für das neue Gotteshaus samt zugehörigem Jugendheim in einem erfreulich gründlich recherchierten Bericht vorgestellt:

 

Erster Spatenstich zum katholischen Gotteshaus

Die Notkirche in Hoffnungsthal soll einem festen Bau Platz machen

Hoffnungsthal. Nach jahreslangem Bemühen wurde nunmehr der erste Spatenstich zum ersten Baubaschnitt für das katholische Gotteshaus in Hoffnungsthal getan.

Durch den starken Zustrom von Evakuierten und Flüchtlingen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren bildete sich in Hoffnungsthal eine starke Gemeinde katholischer Christen. Nach dem Zusammenbruch gelang es, vor allem durch die Initiative des dortigen Seelsorgers Kaplan Backhaus, eine Notkirche in einer ehemaligen Wehrmachtsbaracke auf dem Schulhof einzurichten. Bis heute hat dieses provisorische Gotteshaus gute Dienste getan, muß aber erstens wegen der Lage auf dem Schulhof und zweitens wegen seines starken Verfalls von diesem Ort in ein festes Gebäude übersiedeln. Schon vor einigen Jahren reifte in Hoffnungsthal und bei den verantwortlichen Stellen in Rösrath der Entschluß, ein festes Gotteshaus in Hoffnungsthal zu bauen.Ein etwa 2600 qm großes Grundstück wurde zu diesem Zweck an der Gartenstraße unweit des Sülzflusses erworben. Nach Plänen des Erbauers des Bensberger Priesterseminars und der neuen Marienkirche in Bergisch Gladbach-Gronau Architekt Rotterdam wird nunmehr der erste Bauabschnitt zu dem großen Projekt, das neben der Kirche noch ein Pfarrhaus und ein Jugendheim vorsieht, begonnen.

Kirche, Pfarrhaus und Jugendheim gruppieren sich nach dem vorliegenden Plan um einen Binnehof, der den kirchlichen Bezirk vom Lärm der Straße und der Außenwelt abschließen soll. Durch einen großen Torbogen ist der Binnenhof von der Gartenstraße aus zu erreichen. Chorgiebel der Kirche und Giebel des Pfarrhauses liegen rechts und links vom Eingang. Ein überdachter Vorraum, gleichsam ein Arkadenweg, schafft einen Vorraum zum eigentlichen Gotteshaus. Das Gotteshaus selbst liegt, wie die alten Kirchen, in seiner Längsrichtung genau von Westen nach Osten. An den im Osten liegenden erhöhten Chorraum von 8,60 x 7,68 m schließt sich der weite und lichte Raum der Kirche an. Für 220 Sitzplätze, außer dem[!] im Westen liegenden Empore, ist der Kirchenraum berechnet. Durch ein großes Fenster von Westen her wird der ganze Altarraum in hellstes Licht getaucht, während der eigentliche Kirchenraum nur durch kleinere stark buntverglaste Fenster von Norden her gedämpftes Licht erhalten soll.Trotz der bescheidenen Ausmaße des Kirchenraums von 22,50 x 10,50 m wirkt die Kirche durch ihre Höhe, die Decke verläuft entsprechend der Dachschräge und bildet ein wuchtiges Gewölbe, groß und weiträumig. Rechts neben dem östlichen Chorgiebel hat der Architekt einen verstärkten Strebpfeiler der Längswand zu einem schlichten Glockenturm ausgearbeitet, der ähnlich einem italienischen "Campanile" frei sichtbar in einem Bogen die Glocken aufnehmen soll. Die beiden Giebel und der Turm sollen in Lindlarer Bruchsteinen ausgeführt werden, während die anderen Wände glatt gehalten werden und später weiß geschlämmt werden sollen. Das Dach soll, falls es die Mittel erlauben, in altdeutscher Art verschiefert werden. Die ganze Kirche erinnert trotz ihres Einschlags ins Moderne stark an gute Vorbilder der "Gotik". Der Innenraum der Kirche erfährt keine Störung durch Pfeiler oder Vorbauten, sondern gibt den Besuchern den vollen Blick auf den alles beherrschenden Opferaltar frei. Selbst die Beichstühle sollen in Nischen eingebaut werden, um nicht störend den Raum zu unterbrechen. Die Gestaltung des Chorraumes ist noch nicht in ihren Einzelheiten festgelegt. Fest steht auf alle Fälle, daß der Altar freistehend den Chorraum beherrschen soll. Rechts neben dem Chor liegt noch ein Raum, der als Sakristei gedacht ist. An der Westseite schließt sich an den Bau des Kirchenschiffes organisch das Jugendheim an. Durch eine Vorhalle, die gleichzeitig den Aufgang zur Empore der Kirche birgt und die sanitären Anlagen zum Jugendheim aufnehmen soll, sind die zwei geplanten Gruppenräume zu erreichen. Den Abschluß des Hofes bildet im Süden eine starke Bruchsteinmauer mit einer Pergola, wo der Planer eventuell einen Kreuzweg oder ähnliches vorgesehen hat. In der Mitte des Binnenhöfchens soll ein großer Brunnen mit einem zu der Umgebung passenen christlichen Symbol den Platz beherrschen. Für die liturgische Auswertung des Hofes sind die mannigfaltigsten Möglichkeiten gegeben, man denke z.B. nur an Fronleichnam oder die Karliturgie, die sich auf dem Hof und in der Kirche in würdiger Weise gestalten ließe. Zum Schluß soll das Ganze gartenarchitektonisch gestaltet werden, um das Gesamtbild abzurunden und zu vervollkommnen und den Uebergang in die herrliche Landschaft des Sülztales zu schaffen.

Die Rohbauarbeiten sind an die Hoffnungsthaler Firma Gebrüder Lindenberg übergeben worden und man hofft diese Arbeiten bei günstiger Witterung noch vor Einbruch der kalten Jahreszeit beenden zu können. H.St.

Am 26. August 1954 schon konnte Pfarrer Schmitz dem "Hochwürdigsten Erzbischöflichen Generaklvikariat Köln" mitteilen, daß man mit dem Bau der Kirche in Hoffnungsthal begonnen habe: Die Arbeiten sind soweit vorangeschritten, dass der Grundstein der Kirche gelegt werden kann. An das Generalvikariat richte er daher die Bitte, die Erlaubnis zur Grundsteinlegung zu erteilen und einen der Hochwürdigen Herren damit zu beauftragen. Als Tag sei der 3. Sonntag im September (19.9.) nachmittags 4.00 Uhr vorgesehen.

 

Feierliche Grundsteinlegung

Planmäßig an diesem Tag wurde der festliche Akt vollzogen. Ein Eintrag in der Schulchronik der Katholischen Grundschule Hoffnungsthal vom vom 19.9.1954 durch die Schulleiterin Hedwig Brudniok berichtet verhältnismäßig kurz:

Das freudigste Ereignis für unsere katholische Gemeinde war der Tag der Grundsteinlegung unserer neuen Kirche. Der Grundstein wurde in feierlicher Prozession von der bisherigen Notkapelle [auf dem Schulhof] bis zur Baustelle getragen. Die Schuljugend war vollzählig vertreten.

Dagegen liegt ein ausführlicher und höchst anschaulicher Bericht des Kölner Stadt-Anzeiger vom 21.9.1954 vor:

 

Ein neues Gotteshaus entsteht

Hoffnungsthal feierte die Grundsteinlegung zur St.-Servatius-Kirche

Hoffnungsthal. Die katholische Gemeinde Hoffnungsthal feierte am Sonntag [19.9.1954] die Grundsteinlegung für die neue Kirche St. Servartius unter großer Anteilnahme der Pfarrgemeinde. [Links vom Zeitungsartikel ein Foto, unterschrieben: Der feierliche Akt der Grundsteinlegung.]

In schönen Volberger Sülztal, in der Nähe der heute evangelischen und früheren, vor etwa 400 Jahren gebauten katholischen Wallfahrtskirche St. Servatius [Irrturm: Kirche Volberg war nie Wallfahrtskirche; Verwechslung mit Siegburg wahrscheinlich; die berühmteste Servatius-Pilgerstätte war Maastricht], am Rande des schönen Sülzflüßchens, wird demnächst die langersehnte Kirche, deren Grundmauern bereits meterhoch aus der Erde ragen, entstehen.

In mühevoller Arbeit hat Kaplan Backhaus, der Betreuer der Hoffnungsthaler Seelsorgestelle, zusammen mit Pfarrer Schmitz von der Mutterpfarre, dem Kirchenvorstand in Verbindung mit der Kölner Erzdiözese und dem Planer, Architekt Bernhard Rotterdam (Bensberg), die Voraussetzungen für diesen Bau geschafft, nachdem man von der evangelischen Kirchengemeinde das benötigte Baugrundstück erworben hatte.

Aus Anlaß der feierlichen Grundsteinlegung versammelten sich die Gläubigen und Gäste zunächst an der jetzigen Notkapelle auf dem Schulhof. Von hier aus zog man in feierlicher Prozession zur Baustätte. Von vier Bauleuten in festlicher Handwerkstracht wurde der geschmückte Grundstein zur Baustelle getragen. Ihnen folgten die Geistlichkeit mit Dechant Berger in der Mitte, die Ehrengäste, die Jugend und die verschiedenen Vereine.

Die Baustelle glänzte im Festtagsglanz. Ein schlichtes, mehrere Meter hohes Kreuz ragte an der Stelle empor, wo demnächst der Altar entsteht. Am Fuße des Kreuzes ruhte der Grundstein mit der Jahresinschrift "1954". Unter den Ehrengästen sah man Bürgermeister Adenauer und Gemeindedirektor Gade von der Zivilgemeinde, den Kirchenvorstand, den Vorstand des Kirchenbauvereins, Pfarrer Venderbosch von der evangelischen Kirchengemeinde, die Lehrerschaft und die Vertreter der katholischen Vereine. Einleitend spielte der Rösrather Musikverein "Lobet den Herrn", und machtvoll erklang dann durch den katholischen Kirchenchor Hoffnungsthal "Herr unser Gott" von Schnabel. Kaplan Backhaus sprach die Begrüßungsworte. Es folgten die Gebete durch die Geistlichkeit und die Gläubigen. Im Anschluß hieran segnete Dechant Berger, dem Pfarrer Schmitz und Kaplan Opheys assistierten, den Grundstein. Kaplan Backhaus verlas die auf Schweinsleder gefertigte Urkunde mit der Aufzeichnung des Werdegangs der katholischen Gemeinde Hoffnungsthal. Dechant Berger versenkte die Kapsel in den Grundstein, der dann in das Mauerwerk eingefügt und festgemauert wurde. Während die Gläubigen ein gemeinsames Lied sangen, schritt Dechant Berger die Grundmauern ab, segnete sie und besprengte sie mit Weihwasser. Er beglückwünschte die katholische Gemeinde Hoffnungsthal zu dem begonnen Bauwerk im Namen der hohen kirchlichen Behörde. Es sei ein denkwürdiger Tag, den man begehe. Innerhalb des Dekanates sei es der sechste Grundstein, der nach dem Kriege für eine Kirche gelegt wurde.

Pfarrer Venderbosch übermittelte die Glückwünsche der evangelischen Kirchengemeinde. Er wies auf die Verbundenheit der beiden Religionsgemeinschaften hin. Pfarrer Schmitz von der Mutterpfarre Rösrath sagte, daß er sich freue, nun auch in Hoffnungsthal bald ein eigenes Gotteshaus zu besitzen. Er dankte allen am Bauwerk Beteiligten für ihre bisherige Mitarbeit und lobte besonders die emsige Arbeit von Kaplan Backhaus, der in steter Sorge um die Seelsorgestelle Hoffnungsthal die Hauptvoraussetzung geschafft und das Werk des früheren Rösrather Pfarrers Krahforst vorbildlich weitergeführt habe.

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Als Manuskript vervielfacht. – Weitere Hinweise, Ergänzungen und Korrekturen werden gerne entgegengenommen. – Für den Inhalt verantwortlich: Helmut Wolff, Mai 2004.



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